Was bedeutet das, wenn ein Konflikt hocheskaliert ist? Vermutlich hat jede*r eine Vorstellung dazu. Kennt ernste und humorvolle Filme zu dem Thema. Fakt ist: Ganz sicher tut das niemandem gut. Vor allem den Kindern nicht. Und darum soll es diesmal gehen.
Dafür habe ich in Teil 4 der Serie Ideen von meiner Kollegin Gesine Götting zusammengefasst und interpretiert, und komme zu den folgenden Hinweisen:
15. Forschung
Es ist noch nicht ausreichend gut genug erforscht, welche genauen Auswirkungen arg streitende Eltern auf die Kinder haben. Aber braucht es dafür eine Forschung? Liegt es nicht auf der Hand? Wenn ich so streite, dass das wichtigste Ziel ist, zu gewinnen, dann haben die Kinder auf jeden Fall verloren. Gibt es daran einen Zweifel? Deshalb: Aufhören damit! Auch wenn nur ein Elternteil aufhört, ist das schon sehr viel. Völlig unabhängig davon, was der oder die Andere macht.
16. Kinder sind stark
Vor allem Kinder von Eltern, die sich überhaupt nicht einigen wollen, können früh selbstständig und stark werden (falls sie nicht daran zerbrechen, was trotz allem die wenigsten tun. Aber Vorsicht: Ihre Kinder könnten zu der großen Anzahl der Wenigen zählen). Und Kinder wollen mitreden, sich einmischen. Sie halten sich eben nicht raus, obwohl das so oft und immer wieder gefordert wird. Die Kinder brauchen Informationen. Das heißt aber auch: Alters- und entwicklungsangepasste Informationen. Das beinhaltet NIE: Schriftsätze der Anwälte zu lesen. Aber: „Mama und Papa streiten sich darüber, wer im Haus wohnen bleiben soll. Wir können uns nicht einigen und holen uns deshalb Unterstützung von unseren Anwälten.“ Fallen Ihnen auch gute Formulierungen ein? Die echt und wahr sind, reflektiert und den anderen Elternteil nicht abwerten?
17. Schuld
Alle Kinder geben sich die Schuld an der Trennung der Eltern. Ich habe zumindest noch nie ein Trennungskind kennengelernt, bei dem es anders war. Wenn Eltern sich lange auf einem hohen Niveau streiten, geben sich Kinder sehr lange die Schuld an der Trennung. Bis ins Erwachsenenalter. Es ist also ganz leicht: Wenn Sie Ihre Kinder schützen wollen, streiten Sie bitte nicht sehr lange. Eine Weile halten die Kinder das gut aus. Aber nicht ewig.
18. Ohnmacht
Wenn die Eltern sich lange streiten, sich nicht mehr einigen können und jede*r für sich entscheidet dann verlieren sie die Kinder aus den Augen. Kinder beginnen, sich ohnmächtig zu fühlen. Ihre Wünsche, Ideen, Anregungen kommen nicht mehr an. Kinder müssen unbedingt selbstwirksam sein. Und sie haben ein Recht darauf. Ohnmacht verhindert Selbstwirksamkeit.
19. Gegengift
Gegen die oben aufgeführten möglichen schädlichen Auswirkungen auf Kinder (die ja gar nicht vorkommen, da Sie die bisherigen 18 Tipps sicher beherzigen werden), gibt es zum Glück wirksame Gegengifte:
- Trost (von den Großeltern, der besten Freundin, dem Lieblingsonkel, einer empathischen Beraterin bei der bke-Onlineberatung oder einer Beratungsstelle vor Ort, das Einlassen auf eine gemeinsame Elternberatung mit der Haltung, auch eigene Anteile erkennen zu wollen, KIB-Kurse, Kurse für Trennungskinder, …)
- Erfolge außerhalb des Elternhauses (Sport, Schule, Musik, Kunst, …)
- Ablösung vom Elternhaus und Selbstwirksamkeitserfahrungen in Gruppen und mit Einzelnen
FORTSETZUNG FOLGT …
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